Die Städte an der Conception Bay


Nach einer kurzen Autofahrt gelangt der Besucher von St. John's aus in die verschiedenen pittoresken aber auch geschichtsträchtigen Orte an der Conception Bay. Die Bucht selbst erhielt ihren Namen von dem portugiesischen Entdecker, Gaspar Corte-Real. Er besuchte die Insel im Jahre 1500 und beanspruchte sie als Teil des portugiesischen Reiches. Grundlage hierfür war die berühmte "Linea Divisionis", die die neue Welt zwischen Portugal und Spanien aufteilte.

Beim ersten Blick auf die Bucht, von den Höhen der Topsail-Straße aus, sieht man die Bell-Insel und die Kelly's-lnsel, und am Horizont die verschwommenen Linien der Nordküste. Die Kelly's Insel erhielt ihren Namen von einem bekannten Piraten, der hier einen Unterschlupf hatte. In einer Lagune, an der Ostseite der Insel, ist noch ein großer Anker, bereits halb versunken, zu besichtigen. Dort reparierte der kühne Pirat seine Schiffe um anschließend weitere Überfalle auf der Transatlantik-Route zu unternehmen. Und es hält sich die Legende, dass dieser alte Seeräuber irgendwo auf der Insel einen alten Schatz vergraben hat.

Am Ende der Bucht liegt Holyrood. Schön gelegen, gibt es in der Nähe auch verschiedene Lachs- und Forellengewässer. Als nächstes folgen auf der Strecke mit Harbour Main und Brigus zwei der ältesten Siedlungen Newfoundlands. Harbour Main erhielt seinen Namen von einem heiligen Mann aus der Bretagne. Er war der Schutzpatron der Fischer von St.Malo. Brigus ist vermutlich eine Abwandlung von Brickhouse ( Ziegelhaus). Mit seinen seltsam altmodischen Häusern und Giebeltürmchen macht es den Eindruck einer typisch englischen Siedlung.

Als nächstes erreichen wir Cupids, die erste offizielle Siedlung auf der Insel. Hier ist die Stelle, an der im Jahre 1610 John Guy aus Bristol im Auftrag von König James I. von England seine Kolonie errichtete. Zu Guy's Gruppe gehörten 39 Personen. Er selbst errichtete seinen Hof am Ende des kleinen Hafens. Heute bekannt als Cuper's Cove. Die Briefe, die Guy an das Stammhaus der Gesellschaft schrieb, sind heute in Bristol, England, aufbewahrt. Sie erzählen vom ersten harten Winter in Newfoundland und geben eine Beschreibung der Häuser, die unter seiner persönlichen Leitung erstellt wurden.

Am Ende der Bay de Grave besaß Guy eine Sägemühle. Und dort war es auch, wo er die ersten Ackerbauversuche in diesem neuen Land durchführte. Aufgrund von Piratenüberfällen und des Widerstandes der englischen Fischer konnte die Kolonie jedoch nicht gedeihen. Ein Granitdenkmal erinnert den Besucher daran, dass hier einst das Fundament für ein englisch sprechendes Amerika gelegt wurde.

Ein wenig weiter auf der Westseite der Conception Bay, fallen dem Besucher die blühenden Städtchen Bay Roberts und Spaniards Bay ins Auge. Die erstere erhielt ihren Namen von Fischern der Kanalinsel Jersey, als sie im sechzehnten Jahrhundert hierher kamen. Die letztere erinnert an die Zeit, als Spanien einen ausgedehnten Fisch­ang in den Gewässern Neufundlands betrieb. Mit der Niederlage der spanischen Armada im Jahre 1588 war die Fischerei für spanische Fischer nicht mehr möglich.

Im weiteren Verlauf erreichen wir die alte Stadt Harbour Grace. Vieles vomfrüheren Glanz ist verschwunden, aber sie ist reich an Geschichte und stolz auf ihre Heldentaten. Ihr Name stammt aus dem Französischen. Vermutlich schon vor 1505 wurde sie Harve de Grace genannt. Für lange Zeit war Harbour Grace nicht nur die Hauptstadt der Conception Bay, sondern sowohl im Handel als auch in der Bevölkerung nach St. John's die zweitgrößte Stadt der Insel. Sie war Endpunkt der ersten Eisenbahntrasse, die rund um die Bucht ging.

Es gab viele wohlhabende Handelshäuser -begründet auf eine schwunghafte Robben-Jagd und Kabeljaufischerei. 1696 wurde die Stadt von französischen Truppen überfallen und geplündert. Ein Teil von John Guy's Kolonisten übersiedelte nach Harbour Grace und in das benachbarte Bristol's Hope. Schon vor 1560 gingen Fischhändler aus Jersey hier ihren Geschäften nach. Und um das Jahr 1600 hatte der berühmte Piratenkapitan Peter Easton in Harbour Grace sein Hauptquartier. Seine Festung lag in der Nähe der stattlichen Kathedrale, im Ostteil der Stadt. Harbour Grace wurde auch durch die ersten Versuche jener Piloten bekannt, die den Atlantik überfliegen wollten. Zu der Zeit brüstete sich die Stadt damit, den einzigen Flugplatz Neufundlands zu haben.

Vier Meilen nördlich von Harbour Grace liegt Carbonear. Der Ursprung des Stadtnamens bereitete den Forschern der neufundländischen Sprache einiges Kopfzerbrechen. Allgemein wird angenommen, dass Charbonniere, die französische Bezeichnung für Holzkohlenbehälter, wohl richtig ist. Einige Fachleute sind der Meinung, es handele sich um eine Verballhornung von Kap Carveiro, das in einigen der ältesten Karten Neufundlands erwähnt wird. Seit dem sechzehnten Jahrhundert war die Stadt ein Zentrum der Fischerei. Im Jahre 1696 wurde die Stadt von den Franzosen erobert und angezündet. Die Einwohner zogen sich auf eine Insel in der Hafenmündung zurück und wehrten alle Versuche des Feindes ab sie zu vertreiben. Einige alte Kanonen, die zur Verteidigung der Stadt eingesetzt wurden, können noch heute besichtigt werden.

Eine Legende, die die Menschen von Carbonear immer noch inspiriert, ist die Geschichte der irischen Prinzessin Sheila Na Geira. Sie spielt izur Zeit der Regentschaft von Königin Elisabeth l. von England, als die Prinzessin bei einer Kaperung eines Schiffes im englischen Kanal dem Seeräuber Gilbert Pike in die Hände fiel. Er kommandierte ein Schiff das Peter Easton gehörte. Nach einem Streit über die Verteilung der Beute setzte Pike die Piraterie auf eigene Rechnung fort. Er verliebte sich in die schwarzhaarige irische Schönheit und sie verwandelte ihn mit ihrer Liebe in einen anständigen Korsaren. Sie überzeugte ihn davon, sein bisheriges Leben aufzugeben. Beide gingen nach Newfoundland und ließen sich in Carbonear nieder. -Dort wurde ein Kind geboren, das den Überlieferungen zufolge das erste weiße Kind auf Newfoundland war. In einem Privatgarten, im westlichen Teil der Stadt, kann ein großer Grabstein mit den Inschriften der Familie Pike besichtigt werden. Unter diesem Stein so wird gesagt - befindet sich die Asche von Sheila Na Geira und ihrem Piratengeliebten.