Der Zauber Newfoundlands
Kommen Sie nach Newfoundland. Hier begann die Eroberung Nordamerikas durch den weißen Mann. Es ist die Gegend, wo die Wikinger im Jahre 1001 n. Chr. landeten. Sie nannten das neue Land Markland oder Waldland. Es ist auch die "New Founde Isle" des John Cabot, der 1497 von Bristol aus westwärts segelte und am Kap Bonavista an Land ging.
Es hatte die große Ehre Britanniens erste Überseekolonie zu werden als John Cabot hier das Banner Englands aufpflanzte und die Insel im Namen seines Herrn, König Heinrich VII in Besitz nahm.
Am 5. August 1583 erneuerte Sir Humphrey Gilbert im Namen der Königin Elisabeth l. den Besitzanspruch. Und an der King's Beach im Hafen von St. John's wurde die erste britische Kolonialregierung in Übersee errichtet.
In neuerer Zeit wurden hier auch einige der größten wissenschaftlichen Arbeiten vollendet. Im Jahre 1866 wurde bei Heart's Content mit der "Great Eastern", dem größten Schiff seiner Tage, die erste Transatlantik-Kabelverbindung geschaffen.
Im "Cabot Tower" auf dem Signalhügel bei St. John's empfing Guillermo Marconi die ersten Funksignale von der anderen Seite des Atlantiks. Dies geschah am 12. Dezember 1901. Am 14. Juni 1919 starteten von Lester's Field, St. John's, die mutigen Piloten Alcock und Brown zum ersten Non-stop-Flug von Amerika nach Europa. Und im 2. Weltkrieg diente der ruhige Hafen von Argentia Roosevelt und Churchill als Treffpunkt, wo sie den Vertrag über Hilfslieferungen (Atlantic Charter) unterzeichneten.
Newfoundland ist wirklich geschichtsträchtig. Seine Ortsnamen haben ihren Ursprung in gut einem Dutzend Sprachen. Stumme Zeugnisse von Menschen die kamen und gingen, oder sich an den Buchten der Insel oder Labradors niederließen. Erinnerung an ihre Heimat oder ihren Glauben. Und als im siebzehnten und achtzehnten Jahrhundert Großbritannien und Frankreich um die Vorherrschaft in Nordamerika kämpften und manch bittere Schlacht schlugen, kam die Geissel des Krieges auch über diese Insel. Hier, auf den windumtosten Hangen des Signalhügels wurde die letzte Schlacht des siebenjährigen Krieges geschlagen. Die Festungsruinen mit alten Kanonen können noch besichtigt werden. In der früheren französischen Inselhauptstadt Placentia gibt es Grabsteine mit Inschriften in baskischer Sprache, die einzigen Überreste ihrer Art in ganz Nordamerika. Und im Westen kann der Tourist noch die Sprache der Acadian-Franzosen hören, so wie es der Dichter Longfellow in seinem ergreifenden Roman über die traurige Romanze von Evangeline und Gabriel aus Minas Basin erzählt.
Besuchen Sie die Fischerdörfer, die sogenannten "Outports" der Provinz Newfoundland. Hören Sie den seltsamen Dialekt der Menschen oder hören Sie ein Englisch, wie es zur Zeit Shakespeares in Devonshire gesprochen wurde. Vielleicht verweilen Sie eine Zeit lang in jenen Siedlungen wo die Menschen von irischen Einwanderern abstammen und hören Sie den rollen Akzent von Cork oder das deutliche Schnarren des Dialektes von Kerry. Fragen Sie nach einer schaurigen Geistererzählung oder einer Liebesgeschichte von einem Piraten und seinem Schatz - und Sie haben Erzählungen des Volkes zur Genüge. Vielleicht fordert man Sie ja auch auf, an einem Feenzauber teilzunehmen. Was bedeutet, die Nacht über, natürlich eine bezaubernde Mondnacht, zu feiern und zu tanzen. Genießen Sie das lustige Beisammensein, die vergnüglichen Tänze zur Musik der Dorfkapelle. Hören Sie die Volkslieder Englands und Irlands. Oder die Lieder Newfoundlands die noch heute an die frühere Abgeschiedenheit der Küstendörfer erinnern. Und seien Sie versichert daß die Gastfreundschaft aus tiefstem Herzen von Menschen kommt, die alles in allem wohl als das gastfreieste Volk der Welt gelten.
Machen Sie eine kurze Seereise hinauf nach Labrador, dem großen, weiten Norden der Provinz Newfoundland. Die frische, ozonreiche Meeresluft ist wohl das beste Mittel der Natur, Kranken wieder Farbe in das blasse Gesicht zu hauchen. Werfen Sie einen Blick auf die zerklüftete Felsenbastion der Belle Isle oder auf die fast 700 Meter lange Brandungszone am Kap Mugford. Staunen Sie während der Fahrt von Rigolet zur geschützten Hamilton Bucht über das seemännische Können, wenn es heißt, das Schiff durch einen wahren Irrgarten von Inseln und Kanälen zu steuern. Hier sind Sie im Reich des Nordens - im wahrsten Sinne des Wortes.
Dies all bietet Ihnen Newfoundland - und noch mehr! Für Geschichts- und Altertumsforscher gibt es Spuren verschwundener Völker und internationaler Rivalitäten. Für den Künstler gibt es Landschaftswunder von traumhafter Schönheit. Für den Liebhaber der Wildnis gibt es unbegrenzte Möglichkeiten zum Fischen auf Forelle, Lachs und Thunfisch oder auch die Möglichkeit zur Enten-, Karibu- und Elchjagd. Das Klima ist gemäßigt. Kühl im Sommer und mild im Winter. Verursacht durch den Wind vom Meer, der im Winter die Temperaturen an der Küste selten unter den Gefrierpunkt fallen läßt.
Wir zitieren aus dem Brief von Lt.Col. William Wood, einem bekannten canadischen Schriftsteller und Historiker die folgende malerische Anerkennung Neufundlands und Labradors:
"Neufundland
ist eine Insel des Meeres; im wahrsten Sinne des Wortes. Nirgends
woanders bestimmt das Meer so direkt das Leben der Menschen.
Fortwährend ruft es sie. Laut an der tausende Kilometer langen
Küste. Wiederholt im Echo von mehr als 100 Fjorden die in das
Land einschneiden, und als flüsterndes Raunen tausendfach
zurückgeworfen. So ruft es, ruft immerfort seine Söhne zu den
Fischgründen.
Und es wird bis zum Ende aller Zeiten rufen."
"Labrador ist ein wildes Land. Unbarmherzig, barbarisch und hart. Mit dem Anschein, es sei über Nacht aus dem Chaos heraus entstanden. ...Größer als die große Eiszeit vor mehreren tausend Jahren. Denn alle Eiszeiten muß man mit dem wirklichen Alter Labradors vergleichen. Dieses Land ist sehr alt. Sehr viel älter als der Mensch, ja, es ist älter als alle Spuren des Lebens. Es ist mehrere Millionen von Jahren alt. Es stellt den Rest des heute verschwundenen Urkontinentes Laurentian dar. Der einzige Kontinent der Erde, als das Leben entstand."