Die anderen alten Kolonien
Jenseits von Ferryland, im Landkreis gleichen Namens, liegen die Fischerorte Renews und Trepassey. Sie sind die Standorte von zwei früheren Kolonien. Der Gründer von Trepassey ist Sir William Vaughan, Autor des "goldenen Flieses".
Renews war die Wahlheimat von Falkland, dem ehemaligen Lord Deputy von Irland. Bereits vor Baltimore's "Avalon" unternahmen beide den erfolglosen Versuch einer Besiedelung. Im Gegensatz zu Größe und Kostenaufwand von Calvert's Unternehmung, wurden in diesen südlicheren Kolonien wegen Geldmangel keine stattlichen Häuser oder unüberwindlichen Festungen errichtet. Die Gründung dieser Kolonien war nicht das Ergebnis irgendwelcher lukrativen Finanzgeschäfte. Sie schienen daher zum Misserfolg verurteilt. Doch zeigt sich heute, dass der Überlebenswille jener Menschen bis heute den Neufundländer geprägt hat. Dies gilt teilweise auch für die Kolonie Falklands, die Neufundland die ersten irischen Siedler brachte.
1610 erstreckten sich John Guy's Ländereien bis hin zum Kap St. Mary's. Im Jahre 1616 verkaufte die Gesellschaft, deren neufundländischer Agent Guy war, einen Teil des Landes an Sir William Vaughan. Dieser brachte eine kleine Gruppe Siedler in das Gebiet von Trepassey. Der größte Teil von ihnen stammte aus Wales. Vaughan selbst war eine Idealist und verbrachte seine Zeit mit dem Schreiben von Büchern. Die Siedler waren weder Fischer noch Seeleute. Und allem Anschein nach fehlte es ihnen am notwendigen Wissen und handwerklichen Fähigkeiten, weshalb sie die sommerlichen Behausungen der Fischer in Besitz nahmen. Vaughan verkaufte nach und nach Teile seines Landes an Lord Baltimore um einen Konkurs abzuwenden. Die Kolonisten blieben sich selbst überlassen. Französischen Fischer sicherten sich die besten Plätze in Trepassey und gingen zu anderen Plätzen, die näher an St. John's lagen, oder verdingten sich als Diener jener Händler, deren Schiffe jeden Sommer die Häfen der Südküste anliefen.
In Prowse's „History of Newfoundland" ist der Kolonisierungsplan von Lord Falkland enthalten. In ihm wird von einem Süd-Falkland und einem Nord-Falkland gesprochen. Das letztere lag in der Region von Trinity, an der gleichnamigen Bucht und umschloss die Häfen von Renews und Fermeuse. Zahlreiche irische Kolonisten, die noch keltisch sprachen, wurden 1619 nach Newfoundland gebracht.
Doch im Fall von Vaughan fehlte es an der notwendigen finanziellen Unterstützung und darüber hinaus waren die Iren keine Fischer. Trotz aller widrigen Umstände überlebten sie. Und als man sie von ihren ursprünglichen Plätzen vertrieb, zogen sie südwärts an die St. Mary's Bay, wo sie während zweier Jahrhunderte in völliger Isolation Landwirtschaft betrieben und dem Fischfang nachgingen, und so ihre eigene Sprache beibehielten. Die Siedler aus dem Gebiet von Trinity wandten sich nordwärts zur Bird Island Cove, heute als Elliston bekannt, und zur Bonavista Bay bis hinauf nach Fogo Island.
In Tilting - auf Fogo Island - befindet sich einer der ältesten Friedhöfe Newfoundlands. Heutzutage ist die Küste von St. John's, bis hin zur Placentia Bay, das Siedlungsgebiet der Nachfahren jener irischen Einwanderer, die durch Lord Falkland nach Newfoundland gebracht wurden. Der Einwanderungsstrom hielt bis zur Mitte des neunzehnten Jahrhunderts an.
Die Straße durch die Fischerorte von St. John's nach Trepassey führt den Besucher durch den wohl geschichtsträchtigsten Teil der Avalon-Halbinsel.
Da ist zuerst Bay Bulls dessen Name aus Bäte de Bois oder Baie Boules entstand.
Es ist eine der ältesten Siedlungen des Landes, und geht zurück auf die Tage der walisischen und irischen Kolonisten. Es wurde verschiedene Male von den Franzosen angegriffen und angezündet, zuletzt im Jahre 1796. Am Eingang der örtlichen Kirche können noch alte Kanonen als Eingangsportale besichtigt werden.
Ungefähr zwölf Meilen hinter Ferryland liegt Renews. Es gibt wohl keinen Ort auf Newfoundland, dessen Namen häufiger wechselte. In den ältesten portugiesischen Karten wird er als Rognaza bezeichnet. Möglicherweise wegen der vielen großen Felsen, die bei Ebbe aus dem Hafenwasser auftauchen. In einem alten französischen Dokument, in der Pariser Nationalbibliothek, wird der Ort Rougenoust genannt. Das Schriftstück wurde von dem Historiker Henry Harisse entdeckt und es ist nachzulesen: „Let a note be made of the marks of my boats and barks which l leave in Terre Neuve in the harbour of John Denys called Rougenoust". Der Name veränderte sich nach und nach in Renowse und später in Renewse und Renews. Das Schriftstück ist auf das Jahr 1506 datiert und offenbar diente dieser Hafen den Franzosen schon vor diesem Zeitpunkt als Fischereistützpunkt. Reste alter Befestigungsanlagen am Hafeneingang sind noch zu sehen. Einige alte , verrottete Gewehre sind noch in einem Erdwall begraben und auf einem Hügel ist noch eine größere, gut erhaltene Kanone zu besichtigen.
Bay Bulls, Aquafort und Fermeuse sind sehr gute Schutzhäfen für die Fischerei-Schooner und bieten Platz für ganze Kriegsschiff-Flotten. Die Südküste bietet ein zauberhaftes Bild. Und dies gilt teilweise auch für die La Manche Lakes, Tors Cove und Kap Broyle. Es gibt gute Lachsgewässer und ausgezeichnete Möglichkeiten für die Rebhuhnjagd.