Ferryland


Über die Herkunft des Namens Ferryland sind sich die Fachleute nicht einig. Es wurde auch Forillon oder Foriland geschrieben, nach Auffassung einiger eine Verballhornung von Veralum, dem früheren Namen von St. Alban in England. Schon 1504 erfolgten die ersten Besuche durch französische Fischer, die es als Stützpunkt für ihre Sommerfischerei benutzten. Sie waren es, die es Forillon nannten. Was bedeutet: außerhalb, oder abgeteilt vom Festland" und treffend diese Halbinsel beschreibt, die heute als "the Downs" bekannt ist. Anfang des sechzehnten Jahrhundert gaben die Franzosen ihre Stützpunkte an der Ostküste auf und gingen während des Sommers an die Südküste weil dort die Fangsaison schon einen Monat früher begann. Es folgten die Engländer, die sich zeitweilig auf Ferryland niederließen. Und so verging ein Jahrhundert bis schließlich 1621 der erste Lord Baltimore, Sir George Calvert, den königlichen Auftrag erhielt, einen Teil Newfoundlands zu kolonisieren.

1622 wurde ihm ein Teil der südöstlichen Halbinsel als königliches Lehen zugesprochen, er nannte seine Provinz Avalon.

Als Abgesandte Baltimore's beaufsichtigten die Kapitäne Powell und Wynne die Bauarbeiten auf Ferryland. Im Herbst 1622 schrieb Wynne über den gemachten Fortschritt: „Die Gebäude haben eine Fläche von 40 Fuß in der Länge und 15 Fuß in der Breite. Sie verfügen über einen Vorraum, Keller, vier Kammern, Küche, Treppenhaus und Diele. Auf der dem Meer zugewandten Seite wurde ein Schutzwall errichtet. Nach Weihnachten kam ein Wohnzimmer, 14 Fuß lang und 12 Fuß breit hinzu, es folgten eine Schmiede, eine Saline gut 16 Fuß tief, ein Brauhaus, eine Werft und eine Verteidigungsanlage. So daß das Ganze eine hübsche Straße bildete".

Land wurde gerodet und im Frühling Weizen, Gerste, Hafer, Bohnen, Erbsen, Kohl, Mohren und Grünkohl ausgesät. Baltimore investierte 40 000 Pfund in seine Kolonie. Es zeigten sich nur spärliche Gewinne und er merkte langsam, dass die Angelegenheit nicht gut lief. Im Laufe des Jahres 1627 kam er daher mit seiner Familie nach Ferryland. In seinen Briefen an König Charles l. beklagte er sich über die Überfälle durch französische Soldaten und ersuchte um Schutz durch britische Schiffe.

Lady Baltimore hingegen empfand das rauhe Klima als zu nachteilig für ihre Gesundheit. 1629 verließ sie zusammen mit ihrem Sohn Cecil Newfoundland und reiste nach Virginia. Daraufhin entschied sich auch ihr Ehemann, Ferryland aufzugeben und auf ein zugeteiltes Land in Virginia zu gehen. Mit ihm verließen viele Kolonisten die Insel.

Avalon war der Name Calvert's Provinz auf Neufundland. Um diesen Namen kreisen die schönsten Legenden unserer Inselgeschichte. Er führt uns zurück in die Zeit Jesus Christus, als Britannien durch römische Legionen erobert wurde.

Josef von Arlmethea war es, der den Körper Christi vom Kreuz nahm und es war der gleiche, der später nach Britannien ging, um das Evangelium zu predigen.

In Glastonbury, Somerset, baute er eine Kirche und nach und nach wurde dort ein großes Kloster errichtet. Hier war es auch, wo 1191 das Grab von König Arthur gefunden wurde. Glastonbury - umgeben von Mooren - nannte man die Insel von Avalon.

Zwischen den Ruinen dieser heiligen Stätte erblüht noch heute ein Dornbusch, der als heilige Rose bekannt ist. Der Überlieferung zufolge brachte ihn Josef nach Britannien. Ein Rosenstock jenes Baumes, von dem die Dornenkrone stammte, die Christus bei seiner Kreuzigung trug. Der Jünger pflanzte diesen Stock in Avalon ein, wo er noch heute wächst und jeweils im Mai und zur Weihnachtszeit erblüht.

Baltimore war als promovierter Oxfordschüler in den Legenden Englands gut bewandert. Er träumte davon, im fernen Westen ein Avalon als einen Tempel des Glaubens inmitten der Dunkelheit des Heidentums zu errichten, ähnlich wie seinerzeit Josef. Er brachte Missionare mit, die wie einst die Ritter von König Arthur gelobten:

Den König wie ihr Gewissen zu ehren und ihr Gewissen wie ihren König. Um das Heidentum zu brechen und das Christentum aufzurichten."

Wir zitieren weiter aus der Kirchengeschichte Newfoundlands, von Erzbischof Howley:

" Calvert scheint von dem Gedanken der Christianisierung der neuen Welt so durchdrungen gewesen zu sein, daß er bei seiner Unternehmung nichts dem Zufall überlassen wollte. So gab er seinem Schiff den Namen "The Ark of Avalon" und seinem Beiboot den Namen "The Dove". Auf einer Münze ,die er prägen ließ, ist ein Dom mit dem Motto "Spina Sanctus" ( geheiligt durch den Dom) zu sehen. Die andere Seite der Münze zeigt eine Leier, umgeben von einem Lorbeerkranz und der Inschrift "Orpheus" ,unterhalb der Harfe. Darüber hinaus ist eine Bischofsmütze mit Bischofsstab und Kreuz, sowie ein Schild mit Dom und Eiche abgebildet. Auf dem Rand stehen die Worte: Pro Patria etAvalonia!"

Acht Jahre später, nachdem Baltimore Ferryland verlassen hatte, übernahm Sir David Kirke im Auftrag der Krone die Ländereien. Kirke wurde als Sohn eines Londoner Kaufmannes und einer französischen Mutter in Dieppe, Frankreich, geboren. Wegen religiöser Schwierigkeiten ging er nach London. Er und sein Bruder wurden von König Charles I. beauftragt, Kriegsschiffe für den Kampf gegen französische Handelsschiffe auszurüsten. Kirke ermöglichte so die Kolonisierung Neu-Schottlands durch Sir Alexander MacDonald, wie auch die Kaperung von 13 französischen Segelschiffen die für Quebec bestimmt waren. Was dazu führte, dass diese Stadt im folgenden Jahr, 1629, kapitulieren musste. Als England und Frankreich Frieden schlossen, wurde Kirke befohlen, die gemachte Beute wieder herauszugeben. Als Ersatz für den ihm entstandenen Schaden erhielt er ein Lehen auf Newfoundland. Er errichtete sein Hauptquartier in Ferryland.

Kirke wie auch Baltimore war ein treuer Anhänger des Königs. Und in der Zeit des Kampfes zwischen König und Parlament bot er König Charles Newfoundland als Zufluchtsstätte an. Er stellte eine Schiffsflotte zusammen, die er mit schweren Waffen ausrüstete. Sie war dazu gedacht, zusammen mit dem Prinzen Rupert eine Invasion Englands durchzuführen. Doch der Plan kam nicht mehr zur Ausführung. Das siegreiche Parlament rief Kirke nach England zurück um ihn der Rebellion anzuklagen. Nachdem ihm kein direktes Eingreifen in den Krieg nachzuweisen war, wurde ihm erlaubt, nach Newfoundland zurückzukehren. Als Vorsichtsmaßnahme schickte Oliver Cromwell jedoch eine Flotte nach Ferryland um alle Waffen einzusammeln. 1655 starb Kirke. Er wurde in "the Downs" beerdigt, jedoch ist heute der Platz seines Grabes unbekannt.

Von dem kostspieligen Herrenhaus, wo einst Baltimore und Kirke in königlichem Glänze lebten, ist nichts mehr übrig geblieben. Obwohl Kirke das große Ziegelsteingebäude reparierte, verbesserte und - als es als Domizil des Königs von England gedacht war - auch einen Turm anbaute. 1673 wurde das Gebäude zerstört, als die Holländer Ferryland plünderten. Die Nähe des Meeres und die ungeschützte Lage während der Winterstürme reduzierten die Überbleibsel auf einen Haufen Ruinen. Sie dienten später den Fischern als Steinbruch.