Die Städte des Nordens
Wer auf Newfoundland dem Lauf der Geschichte folgt, sollte sein Interesse nicht allein auf die Avalon-Halblnsel beschränken.
An den klippenreichen Küsten des Nordens gibt es Gegenden und Namen, die sowohl den an der Geschichte Interessierten als auch den Liebhaber des Brauchtums anlocken. Gemeint sind Trinity, Catalin, Bonavista, Fogo, Twillingate und St. Anthony - alle mit einem ungewöhnlichen geschichtlichen Hintergrund.
Beginnen wir mit der alten Stadt Trinity. Sie schmiegt sich an den Fuß des Berges "Ryder's Hill" und beschützt einen der besten Häfen der Welt. Hier war es, als 1615 Sir Richard Whitbourne die erste Gerichtsverhandlung Nordamerikas abhielt. Im Auftrag der britischen Admiralität hatte er Verbrechen zu verfolgen, die von den Fischern verübt wurden, als sich jeden Sommer hunderte europäischer Schiffe in den Gewässern Newfoundlands ein Stelldichein gaben.
Darüber hinaus betrieb Sir Richard für einige Jahre in Trinity ein erfolgreiches Unternehmen. Er machte Notizen für ein Buch über Newfoundland, das er später in England verlegte. Das Royal Command verteilte Whitbourne's Buch an alle Gemeinden des Königreichs.
Als nächstes folgt Catalin, dessen Hafen St. Catherine im Jahre 1534 von Jacques Cartier aufgesucht wurde. Die Originalaufzeichnungen des bretonischen Kapitäns sind eine lebendige Schilderung seines zehntägigen Aufenthaltes in diesem Hafen - zu dem er wegen des Packeises gezwungen war. Sinnvollerweise beschäftigte er sich mit der Überholung seiner kleinen Boote, mit denen er die unbekannten Gewässer des St. Lawrence-Golfes zu befahren gedachte.
Anschließend segelte er von Catalina zu den Funk-Inseln um dort seinen Proviant aufzufrischen. Dort gab es unzählige Kolonien von Alk-Vögeln. Danach steckte er den Kurs in Richtung der Straße der Belle Isle ab. Heute ist der Hafen von Catalina wohl eher durch die im Westteil des Hafens gelegene große Fabrik der Fischereigenossenschaft bekannt. Sir William Coaker, Gründer der Genossenschaft, ist in der Nähe der Hallen begraben. Dort stand das Haus, von dem dieser bemerkenswerte Mann die Politik des Nordens bestimmte.
Vier Meilen nördlich vom Kap Bonavista liegt die Stadt gleichen Namens. Hier betrat John Cabot erstmals den Boden Newfoundlands. Der Name tauchte das erste Mal in Masons's Seekarte von 1620 auf. Zweifellos folgte Mason in der Namensgebung einer Tradition englischer Fischer, oder er übernahm ihn von einer älteren Seekarte. Bonavista ist eine der ältesten Siedlungen Newfoundlands. Die Gründung geht in die Zeit des "Fishing Admirals" zurück, als sich rücksichtslose Händler die besten Häfen aussuchten und die bereits ansässigen Fischer in abgelegenere und weniger geschützte Buchten abdrängten. Im Jahre 1696 konnte Bonavista unter Aufbietung von 300 Mann eine Invasion durch französische Schiffe verhindern. In jüngster Zeit wurde ein großer Wellenbrecher gebaut. Der Hafen wurde ausgebaggert, um großen Segelschoonern und Küstendampfern Liegemöglichkeiten zu bieten. Moderne Fischverarbeitungsanlagen sichern den Wohlstand eines Großteils der Bevölkerung. Longline-Trawler ernten auf den reichen Fischgründen am Kap die Früchte des Meeres.
Die Stadt Fogo liegt am Nordende der Insel Fogo, die in den ältesten Seekarten Fuego genannt wurde. So in der Karte des Ribeiro von 1529. Vielleicht gab man der Insel ihren Namen, weil sie eine gewisse Ähnlichkeit mit einer Insel der Kapverden aufweist. Vielleicht wurden die Seeleute bei der Namensfindung auch durch das Vorhandensein indianischer Lagerfeuer inspiriert. Die Stadt ist die älteste Siedlung nördlich der Bonavista Bay. Sie geht zurück auf das Jahr 1680. Im Ostteil der Insel liegt das Dorf Tilting über das bereits berichtet wurde. Der Name ist eine Abwandlung von Tilt-town und ohne Zweifel nach den primitiven Blockhütten der ersten irischen Siedler benannt.
In der Nähe von Tilting liegt die Sandbucht (Sandy Cove). Sie war für die Beothuk-lndianer bei ihrer jährlichen Wanderung an die Küste ein bevorzugter Lagerplatz. Alten Überlieferungen zufolge wurde an einem Felsen mit roten Flecken ein Fischer von einem Ureinwohner ermordet.
Twillingate nannte man einst die Hauptstadt des Nordens. Sie wurde zur gleichen Zeit wie Fogo gegründet und war für zwei Jahrhunderte das Zentrum des Handels mit Labrador und das Zentrum der Küstenfischerei. Der Name wurde von dem französischen Touliquet abgeleitet. Namensgeber war ein Fischer aus der Gegend von Fleur-de-Lys. Auch war Twillingate der Geburtsort der berühmten Opernsängerin Miss Toulinquet Stirling. Das moderne Krankenhaus in Twillingate steht der gesamten Bevölkerung der Notre Dame Bay zur Verfügung. Sowohl Twillingate als auch Fogo waren über zwei Jahrhunderte hinweg Handelsstützpunkte englischer Unternehmen. Von hier aus betrieben sie einen blühenden Handel. Denn neben der Fischindustrie gaben es einen lukrativen Tauschhandel mit Robben und Pelzen sowie Bauholz aus den großen, leicht zugänglichen Wäldern von Gander und Exploits.
An der Nordspitze der großen Nordhalbinsel liegt die Stadt St. Anthony. Sie wurde von dem unermüdlichen Menschenfreund, Dr. Wilfried Grenfell, gegründet. Seine Arbeit ist so bekannt, dass sie keiner weiteren Erläuterung bedarf.