Die Anfänge der Neufundländerzucht
Die ersten Neufundländer wurden in England ausgestellt, und zwar auf der Hundschau in Birmingham im Jahre 1860. Zwei Jahre später waren bereits 41 Tiere gemeldet, und 1867 wurde der Rüde „Cato" Sieger. Er soll einer der Vorfahren der deutschen Neufundländerzucht gewesen sein. Allerdings gab es zu dieser Zeit noch keinen Rassestandard, und auch die Namen der Hunde wechselten häufig. Immerhin hatte man sich wohl geeinigt, dass der schwarze und der schwarz-weiße Neufundländer bevorzugt werden sollten. Wie verwirrend die Neufundländer damals aussahen, beschrieb 1882 der bekannte englische Züchter Henry Farquharson: „Unter alten Neufundländerbesitzern ist es wohlbekannt, dass die importierten Hunde meist schwarz und weiß oder braun oder auch grau und weiß waren oder wenigstens vier weiße Füße hatten. Eine weiße Schwanzspitze, eine weiße Brust und etwas Weiß am Kopf waren vor 50 bis 60 Jahren die üblichen Kennzeichen für einen importierten Neufundländer."
Und der damalige Hundesport-Journalist Col Hawker beschrieb die Situation der Importhunde: „Hier tappen wir ein wenig im Dunkeln. Jeder Hund, der so groß ist wie ein Esel und behaart wie ein Bär, wird als „echter Neufundländer" bezeichnet."
1875 begann der britische Kennel-Club mit der Führung des Zuchtbuches, und nur gut zehn Jahre später (1886) wurde mit dem „The Newfoundland Club" der erste Spezialklub für diese Rasse gegründet. Wenige Jahre darauf wurde der Rassestandard festgelegt, der im wesentlichen bis heute gültig ist. In dieser Zeit wurden jene Hunde eingetragen, die nicht nur die Basis der englischen, sondern die Wurzeln der weltweiten Neufundländerzucht wurden, sieht man von späteren Direktimporten aus Neufundland einmal ab.
„Leo", ein Import, wurde 1875 eingetragen. Er war schwarz mit braunem Anflug, hatte eine Schulterhöhe von 76 cm und wog 60 kg.
Der ebenfalls importierte „Ch. Theodore Nero" war reinschwarz und hatte eine Schulterhöhe von 76 cm.
Der später nach Deutschland importierte „Duke of Cumberland" (Neufundländer-Zuchtbuch Nr. 3) geht über „Ch. Gunville" auf ihn zurück.
Ein weiterer berühmter Vorfahre ist „Ch. Nelson l.", aus dem die wichtigen „Ch. The Black Prince" und „Ch. Courtier" stammen, und ein Enkel dieses Rüden, „Ch. Pirate King", ging nach Deutschland.
Aber
auch die Hündin „Jennie" ist ein wichtiger Stammhund
der heutigen Neufundländer. Die aus Neufundland importierte
Hündin soll braun gewesen sein und gilt als Ursprung aller unserer
braunen Neufundländer. Weitere englische Spitzentiere sollten
sich für die deutsche Zucht als wichtig erweisen, so zum
Beispiel „Ch. Sybil", „Ch. Joe Sadler" oder
auch der schwarz-weiße Rüde „Ch. Merry Boy".
(© Wolfgang Dettlaff)