The
Newfoundland dog
Über die Rolle der Inselhunde gibt es von den frühen Besuchern Neufundlands nur sehr wenige Aufzeichnungen. Immerhin kann man den ersten Berichten entnehmen, daß es sich offenbar um Arbeitshunde handelte. Man benötigte sie für zahlreiche Transportarbeiten. Zuweilen auch für die Personenbeförderung.
Der Ursprung des berühmten Neufundländers (und im Laufe der Geschichte Gefährte vieler Maler und Dichter) liegt im Dunkeln. Dabei existieren viele Theorien die den möglichen Ursprung der Rasse zu erklären versuchen.
Der ehrenwerte Harold Macpherson (der Anfang des 20. Jahrhunderts dazu beitrug die Rasse zu erhalten) ging davon aus, daß der Hauptahne des Neufundländers der Pyrenäenhund gewesen sei da er ihm größenmäßig gleicht. Er glaubte, dass die baskischen Fischer des 16. Jahrhunderts die Pyrenäenhunde als Schiffshunde nach Neufundland brachten. Diese wurden dann mit jenen Spaniels und Mastiffs gekreuzt, die von den Engländern eingeführt wurden. Eine weitere Vermischung folgte mit den Bordhunden der Portugiesen, Spanier und Franzosen. Aus dieser Mischung, so Macpherson, entstand der Neufundländer.
Nach Professor Heim ist der Neufundländer ein Nachkomme tibetischer und malayischer Hunde. Nach Einführung auf die Insel passten sie sich in der Isolation dem rauhen Klima an und entwickelten sich allmählich zum großen, schweren Hund mit Schwimmhäuten. Wie allerdings diese Hunde Neufundland erreicht haben sollten, ist nicht bekannt.
Die Theorie die von Mrs. Maynard Kane Drury favorisiert wurde, bezog sich auf die Wikinger. Ihr liegt der Gedanken zugrunde, daß um 1000 n. Chr. Leif Eirikson einen großen „Bärenhund“ mitbrachte von dem man annahm, er stamme vom tibetischen Mastiff ab. Die Hunde wurden zurückgelassen und in den 500 Jahren bis zur Ankunft von Cabot (im Jahre 1497) entwickelte sich lt. Drury dieser Hund zu einem großen, mächtigen Wasserhund. Anschließend vermischte er sich mit den Hunden, die von den europäischen Besuchern mitgebracht wurden. Der Typ war „so dominant den nach Neufundland eingeführten Pyrenäen-, Spaniel-, Mastiff- und anderen Hunden gegenüber, daß das Resultat dieser Einkreuzungen ein vorherrschend schwarzes Tier mit einer starken Veranlagung zu einem schwimmhäutigen Wasserhund war“ (M.K.Drury, 1978).
Der schwarz-weiße Neufundländer ist vermutlich eine Kreuzung aus dem schwarzen Neufundländer und dem englischen weißen Landhund. Er entwickelte sich zwischen 1500 und 1700. Heute nennt man ihn LANDSEER. Nach Sir Edwin Landseer, der auf einem seiner Bilder einen großen, schwarz-weißen Hund malte ( auf einem Floß, zusammen mit einem Kind das er vor dem Ertrinken rettete). Das Gemälde bekam den Namen „A Distinguished Member of the Humane Society“.
Zwischen den Jahren 1780 und 1850 wurde der Hund bis zur Erschöpfung des Bestandes nach England exportiert.
Letztendlich wird man über die Herkunft des Neufundländer wohl nie Gewissheit erlangen. Doch ist er ein wichtiges Symbol der frühen Geschichte Neufundlands.
Der Neufundländer ist durch seine Treue, seinen Scharfsinn und seine Qualitäten als Lebensretter gekennzeichnet.
Megan Nutbeem weist in diesem Zusammenhang auf die Bedeutung hin, die von den Beothuk-Indianern im Hund gesehen wurde: „Die Indianer betrachteten die Hunde als Geschenk Gottes. Durch diese wechselseitige Beziehung von Zuneigung und Abhängigkeit entstanden zwei Rassen: Der sanfte Indianer und der zuverlässige Neufundländer. Es ist keine Frage, daß die angeborenen Qualitäten unseres heutigen Hundes aus dieser starken menschlichen Beziehung stammen.“
Der Neufundländer erhielt seinen Namen von George Cartwright, der 1775 seinen eigenen Hund so nannte. Wie alle damaligen Neufundländer handelte es sich um einen Arbeitshund. Er galt als wertvolles Mitglied der Familie weil er ein kraftvolles Arbeitstier und ein guter Begleiter war.
Er wurde auch für den Postdienst eingesetzt. Und man ehrte seine Tätigkeit mit der Ausgabe einer Briefmarke. Erstmals wurde der Neufundländer auf einer Briefmarke des Jahres 1887 abgebildet. Auf einer späteren Marke zeigte man ihn zusammen mit König George VI.
Zu den Geschichten über Lebensrettungen gehört auch, daß ein Neufundländer Napoleon vor dem Ertrinken gerettet haben soll. Einige Leute sind der Überzeugung, daß ein Neufundländer die Menschen von Bord der SS ETHIE rettete, die im Dezember 1919 in der Bonne Bay auf ein Riff lief.
Im Jahre 1914 setzte die „Illustrated London News“ einen Preis für den wertvollsten Hund aus. Der Preis ging an den Besitzer eines Neufundländers „für die Errettung Willie Frampton´s vor dem Ertrinken, und anderer Heldentaten.“
Ein berühmter Neufundländer war im Weltkrieg I. der Neufundländer SABLE CHIEF, das Maskottchen des Royal Newfoundland Regiments. Als er im April 1917 dem 2. Batallion zugeordnet war, wurde er tödlich verwundet. Sein Körper wurde nach Neufundland überführt. Ein Tierpräparator konservierte ihn und stopfte ihn aus. Zuerst im „Newfoundland Marine- und Militärmuseum“ im Confederations-Gebäude ausgestellt, ist er heute im „Newfoundland-Museum“, Murray Premises, St. John´s, zu besichtigen.
Dicken´s, Richard Wagner und Sir Walter Scott nannten Neufundländer ihr eigen. Henry David Thoreau faßte den Charakter seines Neufundländer wie folgt zusammen: „Ein Mensch ist nur dann ein guter Mensch wenn er mir Essen gibt, wenn ich am Verhungern bin. Oder wenn er mich aus einem Graben zieht in den ich hinein gefallen bin. Neufundländer tun dies - und noch mehr!“
Während sich der Neufundländer in Teilen der Welt verbreitete, stand er zeitweise auf Neufundland vor seiner Ausrottung. Einerseits erschöpften die ständigen Exporte seinen Bestand, andererseits erließ Gouverneur Edwards im Jahre 1780 eine Anordnung, die den Familien verbot, mehr als einen Hund zu halten. Grund war der Versuch die Schafzucht zu fördern.
Viele Familien besaßen häufig sechs bis sieben Hunde. Wegen der Arbeit, die von diesen Hunden geleistet wurde, galten sie als wertvollster Besitz und die meisten Besitzer weigerten sich, die Hunde zu töten. Wenngleich auch für den Ausbau der Schafzucht wenig getan wurde, führte das Gesetz letztendlich doch zu einer drastischen Verminderung des Hundebestandes.
So um das Jahr 1815 herum schätzte man die Wertschöpfung der Arbeitshunde allein in St. John´s auf ungefähr 5000 $ pro Tag. Trotz dieser wirtschaftlichen Bedeutung wurden bis 1884 weitere Gesetze erlassen die regelten, daß alle Hunde - außer Collies und andere Kleinhunde - als Wölfe anzusehen und zu töten seien. Nach Berichten von J.D. Rogers (1911) soll wegen der Hunde der Bestand an Schafen unter dem der Rinder gelegen haben.
Zwischen 1825 und 1835 wurde unter Gouverneur Cochrane mit einem Straßenbauprogramm begonnen - was den Einsatz von Pferden erlaubte. Nun wurden die Hunde nicht länger benötigt und die Pferde begannen die Hunde als Arbeitstiere zu verdrängen. Sie wurden nun häufig zu Haustieren degradiert und damit wertlos.
1860 wurde ein Gesetz erlassen, um Schafe und andere Nutztiere vor Hunden zu schützen. Jeder Hund mußte angeleint sein. Fand man ihn freilaufend und ohne seinen Besitzer, wurde er getötet. Jeder Hund „der Vieh (Schafe, Lämmer, Pferde, Ziegen usw.) mordete, verstümmelte oder aufscheuchte“ war daher „unverzüglich zu erschießen oder anderweitig zu töten!“ Und zwar „durch den Viehbesitzer oder jeden anderen Zeugen“.
1884 wurde zum Schutz der Schafe ein ähnliches Gesetz erlassen. Dadurch konnten die Wähler eines Landkreises per Eingabe eine Hundeverbot in dem betreffenden Gebiet erreichen.
Artikel 141 der Verfassung von 1892 zog dem Eigentum an Hunden gesetzliche Grenzen. Und die Anwendung des Artikels entsprach in den folgenden Jahren den bereits erwähnten Vorschriften. Hunde mußten ein Halsband tragen auf dem der Name des Eigentümers verzeichnet sein mußte. Nicht gekennzeichnete Hunde konnten von jedermann erschossen werden. Ausgenommen Pointer, Setter, Spaniel und Terrier, deren Besitz von der Verwaltung erlaubt wurde.
Einmal pro Jahr hatten die Eigentümer von Nutzvieh der Polizeiverwaltung Auskunft darüber zu geben, wieviel Vieh durch Hunde getötet worden war. Anschließend setzten die Verwaltungen eine Belohnung für jeden abgelieferten, toten Hund aus. Die Belohnung betrug etwas mehr als 1 $ pro Tier.
Diese und ähnliche Vorschriften führten beinahe zur Ausrottung des Neufundländers.
Kurz vor Beginn der 20. Jahrhunderts war es Harold Macpherson, der über das Verschwinden dieser Hund entsetzt war und mit der Restaurierung des Neufundländers begann. Er gründete den Zwinger WESTERLAND, dessen Name gleichbedeutend mit dem reinrassigen Neufundländer war.
Ein direkter Nachkomme des Neufundländer ist der Chesapeake Bay Retriever. Diese Rasse entstand in den USA und stammt von schiffbrüchigen Neufundländern namens SAILOR und CANSTRAIN ab. Offenbar waren sie ursprünglich für die Neufundländerzucht in England bestimmt gewesen. Das „Chesapeake Bay Maritime Museum“ in St. Michaels, erwarb 1976 ein lebensgroßes, gußeisernes Modell eines Neufundländers - als Erinnerung an die Vorfahren des Chesapeake Bay Retrievers.
Ein weiterer Verwandter des Neufundländers ist der Labrador Retriever, von dem man annimmt, dass er seinen Ursprung in Neufundland und nicht in Labrador hat, wie es der Name vermuten läßt. W. E. Cormack berichtete 1822 von einer Zahl „kleiner Wasserhunde .... vortrefflich zum Apportieren von Vögeln abgerichtet und anderweitigem Gebrauch“. Als sich die Geschichten ihres Mutes immer mehr herumsprachen, exportierte man sie nach England. Im Jahre 1903 erhielt die Rasse vom englischen Kennel Club ihr offizielle Anerkennung. Anfangs war der Hund als „kleiner Neufundländer“ oder als „St. John´s Hund“ bekannt - auch, um ihn so vom langhaarigen, größeren Neufundländer unterscheiden zu können.
Die verabschiedeten Gesetze aus dem Jahre 1885 hatten auch auf die Zahl der Labradorhunde größte Auswirkungen. Um die Schafzucht zu fördern, wurden in Labrador alle Hunde getötet. Zehn Jahre später wurden Quarantänebestimmungen erlassen demnach jedes Tier, das nach Großbritannien gebracht wurde, dort für sechs Monate in einer tierärztliche Quarantäne verbleiben mußte. Diese Gesetze beendeten nahezu den umfangreichen Hundehandel zwischen Labrador und England.
Der echte Labrador, gemeint ist der Husky oder Schlittenhund, ist ein halber Wolf und war einst für das Leben in Labrador unentbehrlich. H. H. Prichard (1911) nennt sie „Meister des Winters“ und in einer Beschreibung W. T. Grenfells aus dem Jahre 1909 heißt es:
„Ein gutes Exemplar hat eine Schulterhöhe von 75 cm oder 80 cm und mißt von der Nasen- bis zur Schwanzspitze 2 Meter, bei einem Gewicht von 45 kg. Das Fell ist dicht und glatt, am Hals vielleicht 15 cm lang. Die Ohren sind spitz und stehen hoch ..... Im Vergleich zum massigen Körper sind die Beine relativ kurz. Die Schlitzaugen und geben dem Tier den Gesichtsausdruck eines Fuchses. Die lange, buschige Rute ist vollständig über den Rücken gerollt und wird immer aufrecht getragen. Die Farbe ist meist loh- oder wolfsfarben ohne deutliche Markierungen. Doch es gibt auch eine wunderschöne schwarz-weiße Rasse die zu den stattlichsten Hunden gehört.“
Die Huskies waren für das Leben in Labrador äußerst wichtig, hielten sie doch die Verbindungen mit Siedlungen aufrecht, die ansonsten isoliert waren.
Unbeschadet einer guten Ausbildung, ausreichenden Fütterung und guten Behandlung kann man einem Husky niemals trauen. Zwar respektiert er seinen Herrn, zeigt dieser aber zu irgend einem Moment eine Schwäche, wird er nicht zögern, den Menschen anzugreifen. In den Wintermonaten, wenn sie für das menschliche Überleben wichtig waren, wurden die Hunde gut versorgt. Aber in den Sommermonaten wurden sie jämmerlich vernachlässigt.
Prichard besuchte 1910 Labrador und schätzte die Zahl dieser Hunde allein an der Ostküste auf über 5000 Tiere. Jeder Siedler hatte ein Schlittenhundegespann von neun bis zwölf Tieren.
Der Bestand aller Hunde wurde erstmals in der Volkszählung von 1911 erfasst. Auf Neufundland und in Labrador gab es demnach 19.520 Hunde. Sie wurden verschiedenen Kategorien zugeordnet. So die Hunde die wirtschaftliche Tätigkeiten ( z.B. Brennholztransport) verrichteten. Dann gab es die „Haushunde“ und schließlich die „anderen Hunde“.
Die Volkszählung von 1945 zeigte ein Anwachsen der Hundepopulation auf Neufundland und in Labrador auf 32.662 Tiere.
Anders als in der Vergangenheit werden heute Hunde nicht mehr als Arbeitstiere eingesetzt. Es gibt verschiedene Rassen aber die meisten sind Haustiere. Weil viele Besitzer sie nicht mit der notwendigen Sorgfalt versorgen, streunen zahlreiche Hunde durch die Straßen und werden zu einer Plage.
Im Jahre 1976 gab es allein in St. John´s über 12.000 Hunde von denen nur 800 registriert waren. Um eine bessere Kontrolle zu erlangen vergrößerte man das städtische Tierheim. Das Personal wurde aufgestockt, Fahrzeuge und Fangausrüstungen wurden angeschafft. Verschärfte Bestimmungen wurden erlassen. Und Hunde, die ohne Hundemarke oder Namensschild aufgegriffen werden, werden getötet. Diejenigen mit Kennzeichen werden für drei Tage festgehalten. Wird innerhalb dieser Zeit kein Besitzanspruch erhoben, werden auch sie getötet. Diese neue Verordnung der Stadtverwaltung von St. John´s trat am 9. Juli 1976 in Kraft.
1960 begann Megan Nutbeem unter dem Zwingernamen HARBOUR GRACE mit der Zucht von Neufundländern und anderen Rassen. Unter dem Zwingernamen KILLOCK begannen Dr. Und Frau William Summers in Portugal Cove mit der Neufundländer- später der Schnauzerzucht.. Harold Duffett etablierte seinen TERRA NOVA Zwinger am Marine Drive, nahe St. John´s.
( eine Zusammenfassung aus der Encyclopedia of Newfoundland and Labrador © Deutsche Übersetzung: Wolfgang Dettlaff)