C Ablauf
des Wettbewerbs
1. In Anbetracht der
Ziele und der Idee des Junior-Handling-Wettbewerbs ist es verständlich,
daß auch das Verhalten des Richters im Ring eine besondere Bedeutung
hat. Der Richter muß den Jugendlichen mit viel Ruhe und Verständnis
begegnen und jederzeit - auch im Interesse der Sicherheit - die
Übersicht über die Vorgänge in seinem Ring haben. Alle Junior-Handler
- gleichgültig,
ob geübt oder ungeübt - haben das Recht auf gleich freundliche
Behandlung und Beachtung durch den Richter; sie sollen sich - ob
plaziert oder unplaziert - ernstgenommen und ermutigt fühlen, auch
zukünftig an Junior-Handling-Wettbewerben teilzunehmen. Wenn möglich,
sollte der Richter seine Entscheidung zumindest den plazierten
Teilnehmern kurz erläutern.
Während des
gesamten Wettbewerbs muß sich der Richter darüber klar sein, daß nicht
die Qualität des Hundes, sondern die Art der Vorführung durch den
Junior-Handler zur Beurteilung kommen muß. Es muß derjenige
Junior-Handler gewinnen, der seinen eigenen und ggf. einen fremden Hund
am vorteilhaftesten präsentiert. Ohne Zweifel ist es eine größere
Leistung, einen schwierigen Hund mit deutlichen anatomischen Mängeln so
gekonnt zu präsentieren, daß er dem geforderten Standard möglichst nahe
kommt, als einen routinierten Ausstellungshund zu führen. Der Richter
muß also zwischen der Leistung des Junior-Handlers und den Qualitäten
des Hundes unterscheiden können, wobei allein die Leistung des
Junior-Handlers maßgebend ist.
2. Der
Ablauf des Wettbewerbs sollte sich vorzugsweise an der Bewertung der
Hunde in den Rasseringen orientieren. Die Vorführung der Hunde wird
also zunächst in der Gruppe - in Stand und Bewegung - und dann einzeln
beurteilt. Zur Erleichterung der Entscheidung zwischen besonders
ausgeglichenen Kandidaten kann der Richter die Jugendlichen bitten,
ihre Hunde auszutauschen - oft zeigen sich erst im Umgang mit einem
fremden Hund die wirklichen Fähigkeiten eines Junior-Handlers.
Selbstverständlich müssen sowohl der Richter als auch der Ringsekretär
beim Hundetausch besondere Vorsicht walten lassen. Übrigens ist der
Hundetausch besonders bei den meisten älteren, routinierten
Junior-Handlern sehr beliebt!
3.
Folgende Anforderungen sollten bei der Beurteilung eines Junior-Handlers
Beachtung
finden:
a) Der Jugendliche muß durch die Art seiner Vorführung erkennen lassen,
daß
ihm die gängigen
Abläufe im Ring vertraut sind.
Bei der
Präsentation seines Hundes in der Gruppe sollte er
- seinen Hund in
angemessener Entfernung von anderen Hunden aufbauen, um Irritationen zu
vermeiden,
- sich selbst im
Stand nicht zu dicht hinter seinem Hund befinden, um den Blick des
Richters nicht abzulenken,
- seinen Hund
auf einer Höhe mit dem Konkurrenten aufbauen und nicht „aus der Reihe
tanzen",
- seinen Hund im
Kreis in angemessenem Abstand zu dem vor ihm laufenden Tier führen und
ihn keinesfalls „auflaufen" lassen (ein besonders geschickter Vorführer
hält seinen Hund zurück, wenn er sich außerhalb des Blickfeldes des
Richters befindet, um dadurch Raum zu gewinnen, und läuft erst dann im
dem Gangwerk des Hundes angemessenen Tempo, wenn er in das Blickfeld
des Richters eintritt).
Bei der
Einzelpräsentation seines Hundes muß der Junior-Handler
- ohne
Verzögerung oder besondere Aufforderung seinen Hund zu der zur
Einzelbegutachtung vorgesehenen Stelle bringen (zweckmäßigerweise
geschieht dies bereits, während der Richter noch das Gangwerk des
vorhergehenden Hundes prüft - wobei selbstverständlich keinesfalls
dieser Prüfungsvorgang gestört oder behindert werden darf!),
- selbständig
entscheiden, ob er seinen Hund auf dem Boden oder auf dem Tisch aufbaut
- er muß wissen, welches die für seine Rasse gebräuchlichere Art der
Präsentation ist,
- sein Wissen
über die Reihenfolge der Begutachtung der Körpermerkmale des Hundes
dadurch zeigen, daß er sich, ohne den Richter in irgendeiner Weise zu
behindern, so zum Hund stellt, daß dieser jederzeit unter Kontrolle ist
und die Begutachtung problemlos durchgeführt werden kann. Auf
Anforderung muß er das Gebiß seines Hundes selbst so präsentieren
können, daß der Richter ohne Mühe Zahnstellung und -zahl erkennen kann
(sehr störend ist es, wenn der Junior-Handler hierbei mit seinem Kopf
die Sicht des Richters versperrt).
- die „Figuren"
beherrschen, die im Ring zur Demonstration des Gangwerks gefordert
werden können, und wissen, wann und wie er mit seinem Hund die
Laufrichtung wechselt (= eine „Wende" läuft). Bei allen Figuren ist
besonders darauf zu achten, daß sich der Junior-Handler niemals
zwischen Richter und Hund befinden darf; der Junior-Handler muß die
Position des Richters beachten und entscheiden, auf welcher Seite
seines Hundes er sich befinden sollte. Bei der Beurteilung des
Gangwerks von vorn und hinten ist darauf zu achten, daß sich der Hund
in gerader Linie genau vom Richter weg und direkt zu ihm zurück bewegt,
damit der Richter seinen Standort nicht zu wechseln braucht. Drei
verschiedene Möglichkeiten des korrekten Richtungswechsels und die
sechs am häufigsten geforderten Figuren, von denen mindestens zwei
jeweils vom Richter zu benennen und vom Junior-Handler vorzuführen
sind, sind an anderer Stelle graphisch dargestellt und kurz erläutert.
Hier sei lediglich erwähnt, daß sich bei allen in „normaler"
Richtung gelaufenen Figuren der Hund, wenn es der Standort des Richters
zuläßt, in der Ausgangsposition auf der linken Seite des Vorführers
befindet. Eine Figur muß jedoch unter Umständen auf Wunsch des Richters
auch „umgekehrt" gelaufen werden können - in diesem Fall führt der
Junior-Handler seinen Hund - zumindest anfangs - auf der rechten Seite.
- seinen Hund
nach Beendigung jeder Figur so weit vom Richter entfernt aufstellen,
daß dieser, ohne zurücktreten oder sich bücken zu müssen, noch einmal
das Gesamtbild des Hundes prüfen kann.
b) Um den
jeweiligen Hund so vorteilhaft wie möglich vorführen zu können, muß der
Junior-Handler die wichtigsten Forderungen des Rassestandards kennen
und auch mit der Anatomie eines Hundes vertraut sein. Er muß versuchen,
die Mängel des Hundes durch geschicktes Vorführen sowohl im Stand als
auch in der Bewegung so wenig offensichtlich wie möglich in Erscheinung
treten zu lassen. Selbstverständlich muß er das international übliche,
für die von ihm vorgeführte Rasse typische Handling beherrschen und das
für seinen Hund vorteilhafteste Bewegungstempo erkennen können.
Ein guter
Junior-Handler ist voll auf seinen Hund konzentriert, ohne die Vorgänge
um sich herum außer acht zu lassen. Er hat seinen Hund stets unter
Kontrolle, ohne daß dieser unterdrückt wirken darf. Im Idealfall
gelingt es dem Junior-Handler, seinen Hund durch Zuspruch,
Aufmunterung, verständnisvolle Behandlung und Lob dazu zu animieren,
sich frei und freudig zu zeigen. Eine solche erkennbar gute Beziehung,
die Harmonie zwischen Junior-Handler und Hund, sollte ein wichtiges
Kriterium bei der Entscheidungsfindung darstellen. Der Junior-Handler
darf sich durch die Art seines Auftretens keinesfalls in den
Vordergrund drängen; er soll nicht sich selbst, sondern mit wenig
Aufwand und sparsamen, jedoch effektiven Bewegungen den Hund so
vorteilhaft wie möglich zur Geltung bringen. Keinesfalls darf das
Verhalten des Vorführers vom Hund ablenken.
Nicht
ohne Bedeutung ist auch der Anblick, den Junior-Handler und Hüne
zusammen im Ring bieten. Sehr störend wirkt ein neben dem Hund
herabhängendes oder auf dem Boden liegendes freies Ende der Leine. Die
Leine sollte sich je nach Situation und Rasse immer entweder
zusammengerollt in der Hand des Junior-Handlers befinden oder um dessen
Hals gelegt sein (daß es sich möglichst um eine farblich passende,
unauffällige Vorführleine handeln sollte, muß sicher nicht gesondert
erwähnt werden).
Selbstverständlich
sollte sich der Hund in einem guten Pflegezustand befinden und
rassetypisch zurechtgemacht sein - auch dem besten Junior-Handler ist
es nur dann möglich, den Hund in ansprechendem Erscheinungsbild zu
präsentieren.
Die Kleidung des
Junior-Handlers sollte zur Farbe des Hundes passen und einen möglichst
guten Kontrast bieten. Sie muß zweckmäßig, sauber und gepflegt
sein, darf jedoch nicht auffallen. Zu lässige Kleidung wirkt ebenso
unvorteilhaft wie zu elegante. Empfehlenswert sind Schuhe mit flachen,
rutschfesten Sohlen, die im Interesse der Hunde keinesfalls klappern
dürfen! Insgesamt müssen Junior-Handler und Hund einen harmonischen,
erfreulichen Anblick bieten, der durch eine entsprechende Ausstrahlung
noch gefördert werden kann.
c) Als
wichtiger Bewertungsaspekt nicht unerwähnt bleiben darf das Auftreten
des Junior-Handlers gegenüber dem Richter und auch gegenüber seinen
Konkurrenten. Höflichkeit und Aufmerksamkeit sollten selbstverständlich
sein; den Anweisungen des Richters muß konzentriert und genau Folge
geleistet werden. Der Richter sollte, wenn möglich, nicht
unaufgefordert angesprochen werden, der Junior-Handler muß jedoch auf
Fragen (z. B. nach dem Alter des Hundes) Auskunft geben können.
Das Verhalten zu
den anderen Jugendlichen muß freundlich, rücksichtsvoll und, wenn
nötig, hilfsbereit sein. Kein Junior-Handler darf seine Mitstreiter
stören oder behindern, Fairneß und Sportlichkeit sind oberstes Gebot.
Für alle Jugendlichen sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, den
besser plazierten Konkurrenten zu gratulieren.
4. Die
vielen genannten Anforderungen und Bedingungen, die ein guter
Junior-Handler erfüllen sollte, machen deutlich, warum dieser
Wettbewerb von niemandem geringgeschätzt werden sollte. Er stellt
sowohl für den teilnehmenden Jugendlichen als auch für den Richter eine
anspruchsvolle Aufgabe dar. Selbstverständlich bleibt es jedem Richter
selbst überlassen, welche Kriterien er bei der Bewertung wie gewichtet
und welche Aufgaben er den Junior-Handlern stellt. Diese Ausführungen
sollen ihm (und allen interessierten Jugendlichen) die
Rahmenbedingungen und Anforderungen verdeutlichen, unter denen der
Wettbewerb auch international durchführt wird, und Hilfen für die
Entscheidungsfindung an die Hand geben.
Erfreulicherweise
hat sich die Qualität der Junior-Handler in den letzten Jahren auch in
Deutschland außerordentlich verbessert. Deshalb sollte sich kein
Richter seine Entscheidung leichtmachen - die Jugendlichen erwarten
einen anspruchsvollen Wettbewerb und akzeptieren jede begründete,
nachvollziehbare Entscheidung.
Am Ende
einer jeden Ausstellungssaison findet ein - nach den genannten Regeln
durchgeführtes - Junior-Handling-Finale statt, auf dem der deutsche
Junior-Handler des jeweiligen Jahres ermittelt wird.
Teilnahmeberechtigt sind je Altersgruppe die zehn Jugendlichen, die
während der Ausstellungssaison mit ihren vier erfolgreichsten
Wettbewerben die meisten Punkte gesammelt haben. Sollten sich auf diese
Weise mehr als zehn Jugendliche pro Altersgruppe qualifiziert haben, so
werden hilfsweise die Ergebnisse weiterer Wettbewerbe zur Ermittlung
der Kandidaten herangezogen. Ort und Zeit sowie
der Stichtag, bis zu dem Qualifikationspunkte gesammelt werden können,
werden rechtzeitig in „Unser Rassehund" bekanntgegeben. Der Tagessieger
des Finales wird als Junior-Handler des Jahres Deutschland am Anfang
des folgenden Jahres beim Weltfinale auf „Cruft's Dog Show" in England
vertreten, auf dem der „Internationale Junior-Handler des Jahres"
ermittelt wird.